Lena Deutsch

Wie du als introvertierte person beruflich sichtbar wirst ohne dich zu verbiegen

Wie du als introvertierte person beruflich sichtbar wirst ohne dich zu verbiegen

Wie du als introvertierte person beruflich sichtbar wirst ohne dich zu verbiegen

Du machst gute Arbeit, bringst dich zuverlässig ein – und trotzdem scheinen immer die Lauten, Schnellen, Präsenteren wahrgenommen zu werden? Während du dir schon bei dem Wort „Selbstmarketing“ denkst: Bitte nicht.

Wenn du eher introvertiert bist, klingt „sichtbar werden“ schnell nach Fremdschämen, Dauerselbstinszenierung und Netzwerken mit lauwarmem Sektglas in der Hand. Die gute Nachricht: Sichtbarkeit geht auch leise, strukturiert und authentisch – ohne dich zu verbiegen.

In diesem Artikel schauen wir uns an, wie du als introvertierte Person beruflich sichtbar wirst, ohne deine Persönlichkeit zu verraten. Mit konkreten Schritten, die du direkt in deinen Arbeitsalltag integrieren kannst.

Was Introvertiertheit wirklich bedeutet – und was nicht

Introvertiert zu sein bedeutet nicht, dass du schüchtern, unsicher oder „zu nett“ bist. Psychologisch geht es vor allem darum, woher du deine Energie bekommst:

Was Introvertiertheit NICHT automatisch heißt:

Das Problem in vielen Unternehmen: Sichtbarkeit wird oft mit extrovertiertem Verhalten verwechselt. Wer viel redet, wirkt engagiert. Wer laut ist, wirkt wichtig. Du kennst sicher das Meeting, in dem drei Leute alles dominieren und die stillen Expert:innen mit mehr Substanz kaum zu Wort kommen.

Der Punkt ist: Du musst nicht extrovertiert werden. Du brauchst nur eine passende Strategie, wie du mit deiner Art sichtbar wirst. Nicht häufiger reden, sondern gezielter. Nicht überall dabei sein, sondern bewusst auswählen.

Der häufigste Fehler: Gute Arbeit reicht (leider) nicht

Viele introvertierte Menschen glauben – verständlicherweise – an das Leistungs-Märchen: „Wenn ich gute Arbeit mache, wird das schon gesehen.“

Wird es oft aber nicht.

Ein Mini-Beispiel aus einem Coaching: Klientin, Fachexpertin in einem Konzern, absolute Top-Performerin. Sie hat Projekte gerettet, Prozesse optimiert, Kolleg:innen unterstützt. Ihr Chef: „Ich wusste gar nicht, dass Sie da so viel beitragen.“ Autsch.

Was ist passiert? Sie hat gearbeitet, andere haben darüber gesprochen. Sie war im Umsetzen, andere im Präsentieren. Ergebnis: Wahrnehmungslücke.

Vielleicht klingt das vertraut. Wenn du dich hier wiedererkennst, hilft ein Mindshift:

Dafür brauchst du zuerst Klarheit: Wofür willst du überhaupt bekannt sein?

Dein Sichtbarkeits-Kern: Wofür willst du stehen?

Bevor du irgendwo „sichtbarer“ wirst, muss klar sein: Was sollen andere mit deinem Namen verbinden?

Lege dir dazu eine kleine Reflexions-Session ein und beantworte schriftlich (ja, wirklich aufschreiben):

Daraus formst du deinen Sichtbarkeits-Kern. Zum Beispiel:

Diese Klarheit hilft dir später, gezielt „aufzutauchen“ – in genau den Situationen, wo dein Kern gefragt ist. So musst du nicht überall aktiv sein, sondern nur dort, wo es passt.

Sichtbar werden im Alltag: kleine, stille Hebel

Sichtbarkeit muss nicht groß und laut sein. Viele der wirksamsten Hebel sind unspektakulär – aber konsequent umgesetzt.

Ein paar Beispiele aus Coachings mit introvertierten Fach- und Führungskräften:

Hebel 1: Schreibe deine Erfolge mit – und sprich sachlich darüber

Introvertierte neigen dazu, ihre eigenen Erfolge zu relativieren: „War ja Teamleistung“, „War nicht so schwer“, „Hat sich ergeben.“

Starte eine einfache Routine:

Beispiel-Eintrag:

Diese Liste ist dein Rohmaterial für:

Wenn du über deine Erfolge sprichst, halte es sachlich:

Das ist kein Selbstlob, sondern professionelle Kommunikation.

Hebel 2: Nutze asynchrone Kanäle – deine stille Bühne

Nicht jede Sichtbarkeit muss live im Meeting passieren. Besonders für Introvertierte sind asynchrone Formate oft viel angenehmer:

Zum Beispiel:

Damit positionierst du dich als strukturierte, verlässliche Person – und dein Name taucht regelmäßig im positiven Kontext auf, ohne dass du im Mittelpunkt stehen musst.

Hebel 3: Strategisch sprechen statt viel reden

Viele Introvertierte sagen im Meeting nichts – oder erst, wenn das Thema längst weitergezogen ist. Der Anspruch „Ich muss perfekt vorbereitet sein, bevor ich etwas sage“ blockiert.

Ein realistischerer Ansatz: pro Meeting 1–2 gezielte Beiträge. Nicht mehr, nicht weniger.

Bereite dich vorher 5 Minuten vor:

Konkrete Formulierungs-Hilfen:

Du musst nicht die längste Rede halten. Wahrnehmung entsteht schon dadurch, dass du regelmäßig konstruktiv sichtbar wirst.

Hebel 4: 1:1 statt Großgruppe – Beziehungen auf deine Art

Networking-Events mit 80 Leuten und Stehtischen sind für viele Introvertierte der Horror. Gute Nachricht: Für echte Sichtbarkeit sind sie sowieso überschätzt.

Beziehungen im Unternehmen entstehen viel nachhaltiger in kleinen Formaten. Nutze stattdessen:

Du könntest z.B. schreiben:

Das wirkt professionell, zielgerichtet und ist viel introvertiertenfreundlicher als Smalltalk in großen Runden.

Hebel 5: Wähle deine „Bühnen“ bewusst

Sichtbarkeit heißt nicht, überall dabei zu sein. Es heißt, an den richtigen Stellen präsent zu sein.

Frage dich:

Beispiele für sinnvolle Bühnen:

Bereite für diese Termine deine Beiträge bewusst vor – mit dem Fokus: Was soll nach diesem Termin mit meinem Namen verknüpft sein?

Mit deinem Chef / deiner Chefin: Sichtbarkeit ansprechen, ohne peinlich zu werden

Viele Introvertierte hoffen, dass die Führungskraft „es schon sieht“. Realistischer ist: Sprich das Thema professionell an.

Das kann zum Beispiel so klingen:

Damit musst du dich nicht anpreisen, sondern positionierst Sichtbarkeit als gemeinsamen Entwicklungsrahmen.

Praktisches Mini-Format: das 10-Minuten-Erfolgs-Update im 1:1:

Kurz, sachlich, wirksam.

Innerer Widerstand: „Ich will mich nicht verkaufen“

Vielleicht spürst du bei all dem trotzdem Widerstand. Typische Sätze, die ich in Coachings höre:

Ein paar Gegenfragen, die du dir stellen kannst:

Stell dir Sichtbarkeit weniger als „Verkaufen“ vor, sondern als Informieren und Einordnen:

Das ist kein Ego-Trip, sondern Teil von professioneller Zusammenarbeit.

Konkreter 4-Wochen-Plan für leise Sichtbarkeit

Wenn du die Idee magst, aber Struktur brauchst, probiere diesen kleinen Plan aus. Vier Wochen, jede Woche ein Fokus.

Woche 1: Beobachten & sammeln

Woche 2: Kleine Beiträge im Meeting

Woche 3: Asynchrone Sichtbarkeit

Woche 4: Gespräch mit deiner Führungskraft

Nach den vier Wochen wirst du keine komplett neue Persönlichkeit haben – aber du wirst erste Erfahrungen gesammelt und gesehen haben: Es geht auch auf leise Art.

Dein Tempo, deine Regeln

Zum Abschluss ein wichtiger Punkt: Einführung von neuen Verhaltensweisen ist kein Sprint. Und du musst nicht in jedem Meeting plötzlich die Wortführerin sein.

Frage dich lieber:

Du musst nicht lauter werden, um gesehen zu werden. Aber du darfst aufhören, dich unsichtbar zu machen.

Wenn du möchtest, nimm dir jetzt 5 Minuten und schreibe drei Dinge auf:

Dann hast du nicht nur einen Artikel gelesen – sondern den ersten Schritt getan, deine berufliche Sichtbarkeit auf deine ganz eigene, introvertierte Art zu gestalten.

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