Lena Deutsch

Vom people pleasing zur klaren positionierung im beruf: wie du lernst, dich selbst ernst zu nehmen

Vom people pleasing zur klaren positionierung im beruf: wie du lernst, dich selbst ernst zu nehmen

Vom people pleasing zur klaren positionierung im beruf: wie du lernst, dich selbst ernst zu nehmen

Du gehst aus Meetings mit einem komischen Bauchgefühl, weil du wieder allem zugestimmt hast? Du übernimmst Aufgaben, die eigentlich nicht zu dir gehören – und arbeitest abends noch, während andere längst offline sind? Und gleichzeitig fühlst du dich in deiner Rolle nicht wirklich ernst genommen?

Willkommen im People-Pleasing-Modus. Und ja: Der ist im Job weit verbreitet – gerade bei leistungsstarken, verantwortungsbewussten Menschen.

In diesem Artikel schauen wir uns an, wie du vom “Ich will es allen recht machen” zu einer klaren, respektierten Positionierung im Beruf kommst. Nicht über Nacht, aber Schritt für Schritt – pragmatisch, testbar, ohne dass du deine Persönlichkeit verbiegen musst.

Was People Pleasing im Job wirklich kostet

Bevor wir an Lösungen arbeiten, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf den Preis, den du zahlst, wenn du dich ständig anpasst.

Typische Muster, die ich in Coachings sehe:

Nach außen wirkst du vielleicht: hilfsbereit, flexibel, zuverlässig. Innen passiert etwas anderes:

Hart formuliert: Wenn du dich selbst nicht ernst nimmst, wird es dein Umfeld auch nicht tun. Nicht, weil alle böse sind – sondern weil du keine klare Angriffsfläche bietest, wofür du stehst.

People Pleasing ist kein Charakterfehler – sondern eine alte Strategie

Wichtig: Du bist nicht “zu nett” oder “einfach nicht gemacht für klare Kante”. People Pleasing ist oft eine gelernte Überlebensstrategie:

Damals hat diese Strategie vermutlich geholfen: Du hast Anerkennung bekommen, wenn du Erwartungen erfüllt hast. Im Berufsleben, vor allem in wissensintensiven Jobs oder Führungsrollen, kippt das Ganze irgendwann:

Die gute Nachricht: Was gelernt ist, lässt sich umlernen. Wir ersetzen das Muster “Ich gefalle, also gehöre ich dazu” durch “Ich positioniere mich, also werde ich relevant”.

Was heißt eigentlich “klare Positionierung” im Job?

Viele denken bei Positionierung sofort an Personal Branding auf LinkedIn oder fancy Elevator Pitches. Darum geht es hier nicht (zumindest nicht in erster Linie).

Klare Positionierung im Arbeitskontext heißt:

Eine einfache Formel, mit der ich im Coaching gern arbeite:

Positionierung = Stärken + Werte + Fokus sichtbar gelebt

People Pleasing kappt vor allem den letzten Teil: Du lebst nicht sichtbar, was du kannst und was dir wichtig ist, sondern was du glaubst, dass andere sehen wollen. Genau da setzen wir an.

Schritt 1: Erkenne deine typischen People-Pleasing-Situationen

Bevor du etwas veränderst, brauchst du Klarheit: Wo rutschst du überhaupt ins Muster? Nicht theoretisch, sondern konkret.

Nimm dir eine Woche und beobachte dich – ohne Selbstverurteilung, eher wie eine Forscherin:

Schreib dir die Situationen stichpunktartig auf. Nach einer Woche markierst du Muster:

Allein dieses Beobachten verändert schon etwas. Du gehst vom Autopiloten in den Beobachtermodus – das ist die halbe Miete.

Schritt 2: Kläre deine innere Job-Positionierung

Bevor du nach außen klarer wirst, brauchst du innen eine Art Kompass. Sonst ersetzt du nur das Gefallen-Wollen durch ein neues, künstliches Image.

Nimm dir 20–30 Minuten und arbeite mit diesen drei Fragen:

1. Wofür will ich im Job bekannt sein?

Beispiele:

2. Welche 3 Werte sind mir in der Zusammenarbeit am wichtigsten?

Beispiele: Klarheit, Verlässlichkeit, Respekt, Offenheit, Qualität, Geschwindigkeit, Teamgeist, Verantwortung.

3. Was ist im Moment mein Fokus?

Also: Welche 1–2 Themen stehen für mich beruflich im Vordergrund? Nicht was das Unternehmen will, sondern du.

Schreib dir deine Antworten kompakt zusammen, z.B. so:

“Ich möchte als jemand wahrgenommen werden, der komplexe Themen strukturiert, Klarheit schafft und Entscheidungen vorbereitet. In der Zusammenarbeit sind mir Klarheit, Verlässlichkeit und Respekt wichtig. Mein aktueller Fokus: meine Rolle als Sparringspartner:in für das Management schärfen.”

Das ist deine innere Positionierung. Kein LinkedIn-Slogan, sondern Arbeitsgrundlage für dein Verhalten.

Schritt 3: “Nettes” Verhalten von wirksamer Kooperation unterscheiden

Viele People Pleaser:innen haben Angst, durch klarere Positionierung “unsympathisch” zu werden. Darum lohnt es sich, zwei Dinge sauber zu trennen:

Du musst nicht unhöflicher werden, um dich klarer zu positionieren. Im Gegenteil: Wirksame Kooperation ist oft klarer und damit für alle leichter.

Reframing-Hilfe: Statt “Ich will, dass sie mich mögen” → “Ich will, dass sie wissen, woran sie mit mir sind”.

Frag dich in kritischen Situationen:

Schritt 4: Mini-Experimente für klare Positionierung im Alltag

Jetzt wird es praktisch. Du musst nicht deine komplette Kommunikationsweise umkrempeln. Starte mit kleinen, konkreten Experimenten.

Wähle für die nächste Woche 2–3 Situationen, in denen du bewusst etwas anders machen willst. Hier ein paar erprobte Mini-Experimente:

Experiment 1: Den Satz nicht relativieren

Wenn du etwas sagen willst, streich folgende Einleitungen:

Ersetze sie durch:

Und dann Punkt. Kein Abschwächen hinterher.

Experiment 2: Ein klares Nein mit Alternativangebot

Du bekommst eine zusätzliche Aufgabe auf den Tisch, die nicht dringend zu dir gehört. Statt automatisch “Ja” zu sagen, probiere:

Wichtig: Kein ellenlanger Rechtfertigungsroman. Kurz, klar, freundlich.

Experiment 3: Eigene Position im Meeting früh platzieren

Wenn du sonst erst gegen Ende des Meetings etwas sagst (oder gar nicht), nimm dir vor:

So wirst du sichtbarer, ohne dass du lauter wirst.

Experiment 4: Feedback nach innen statt nur nach außen richten

Wenn Lob kommt (“Das war eine super Präsentation”), sag nicht reflexartig:

Sondern:

Du signalisierst damit dir selbst und anderen: Ich nehme meine Leistung ernst.

Schritt 5: Mit unangenehmen Gefühlen konstruktiv umgehen

Weniger gefallen zu wollen fühlt sich am Anfang oft falsch an. Nicht, weil es falsch ist – sondern weil dein Nervensystem anders konditioniert ist.

Typische Reaktionen nach dem ersten “klaren Nein” oder einer deutlichen Aussage im Meeting:

Das ist normal. Zwei Fragen helfen in dieser Phase:

Eine kleine Übung nach “mutigen Momenten”:

So trainierst du dein System darauf, dass Klarheit überlebensfähig ist. Und meist deutlich weniger Drama auslöst, als du befürchtest.

Schritt 6: Deine Positionierung im Umfeld verankern

Wenn du merkst, dass dir deine innere Positionierung klarer wird, kannst du sie bewusst im Umfeld sichtbar machen – ohne große Show.

Konkrete Ansatzpunkte:

1. Im Gespräch mit deiner Führungskraft

Nutze 1:1-Gespräche nicht nur für Status-Updates, sondern um klarer zu zeigen, wofür du stehen willst. Zum Beispiel:

2. In der Zusammenarbeit im Team

Du musst nicht jedes Meeting zur Bühne machen. Oft reichen kleine, konsistente Signale:

3. In deiner schriftlichen Kommunikation

E-Mails und Chat-Nachrichten sind ein unterschätzter Hebel für Positionierung. Achte darauf, dass du:

Je klarer du bist, desto leichter können andere mit dir arbeiten – und desto eher wirst du als ernstzunehmende:r Partner:in wahrgenommen.

Wenn das Umfeld an deinem alten Muster festhält

Ein spannender Nebeneffekt: Wenn du dich veränderst, reagiert dein Umfeld. Viele positiv – einige irritiert.

Typische Reaktionen, die ich in Coachings höre:

Das sagt oft mehr über die Gewohnheiten der anderen aus als über dich. Du kannst damit arbeiten, ohne in dein altes Muster zurückzufallen:

Wer wirklich mit dir zusammenarbeiten will, wird sich an deine neue Klarheit gewöhnen. Wer vor allem dein altes Gefallen-Wollen genutzt hat, wird sich vielleicht zurückziehen. Das kann schmerzhaft, aber langfristig sehr entlastend sein.

Wie du merkst, dass du dich selbst ernster nimmst

Viele meiner Klient:innen merken nach einigen Wochen nicht nur äußerliche, sondern vor allem innere Veränderungen:

Und häufig passiert etwas Spannendes: Je klarer sie sich positionieren, desto mehr werden sie genau dafür angefragt – für ihre Haltung, ihre Perspektive, ihre Art zu arbeiten. Also für das, was sie vorher aus Angst zurückgehalten haben.

Falls du nur eine Sache aus diesem Artikel mitnehmen willst, dann diese:

Deine Aufgabe im Job ist nicht, allen zu gefallen. Deine Aufgabe ist, mit deinen Stärken und Werten einen erkennbaren Beitrag zu leisten – und dazu gehört, dich selbst ernst zu nehmen.

Starte nicht mit einem radikalen Persönlichkeits-Upgrade. Starte mit einem kleinen, konkreten Experiment in der nächsten Woche. Einmal weniger gefallen wollen, einmal mehr Position beziehen. Der Rest ergibt sich Schritt für Schritt.

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