Lena Deutsch

Vom imposter-syndrom zur inneren souveränität: strategien für mehr selbstvertrauen im beruf

Vom imposter-syndrom zur inneren souveränität: strategien für mehr selbstvertrauen im beruf

Vom imposter-syndrom zur inneren souveränität: strategien für mehr selbstvertrauen im beruf

Warum so viele kompetente Menschen heimlich an sich zweifeln

Du sitzt in einem Meeting, präsentierst dein Thema – und innerlich denkst du: „Bitte merkt niemand, dass ich eigentlich keine Ahnung habe.“ Äußerlich wirkst du souverän, innerlich hast du Angst, jeden Moment „entlarvt“ zu werden. Willkommen im Imposter-Syndrom.

Dieses Gefühl, ein „Hochstapler“ zu sein, trifft selten die Falschen. Es trifft oft die Engagierten, die Leistungsstarken, die Reflektierten. Also genau die Leute, mit denen ich als Coach am häufigsten arbeite.

In diesem Artikel schauen wir uns an, wie du vom inneren „Ich kann das nicht wirklich“ zu mehr Gelassenheit und echter innerer Souveränität kommst – ohne dich komplett neu erfinden zu müssen.

Was genau ist das Imposter-Syndrom (und was nicht)?

Imposter-Syndrom bedeutet: Du zweifelst systematisch an deinen Fähigkeiten – trotz objektiver Erfolge. Du schreibst gute Ergebnisse eher Glück, Zufall oder „netten Kollegen“ zu, statt deinem eigenen Können.

Typische Gedanken sind zum Beispiel:

Wichtig: Imposter-Syndrom ist kein offizieller Diagnosename, sondern ein psychologisches Muster. Es ist auch kein Persönlichkeitsmerkmal, das du „einfach hast“. Es ist erlernt – und damit veränderbar.

Was es nicht ist:

Wie sich Imposter-Syndrom im Arbeitsalltag zeigt

Bei meinen Klient:innen tauchen die gleichen Muster immer wieder auf. Vielleicht erkennst du dich in einem (oder mehreren) davon:

Diese Muster kosten Energie, Zeit und Aufstiegschancen. Vor allem verhindern sie eines: innere Souveränität.

Innere Souveränität: Was ist das überhaupt?

Innere Souveränität heißt nicht, dass du nie wieder zweifelst. Es heißt auch nicht, dass du plötzlich alles kannst. Es heißt:

Innere Souveränität ist kein Talent, sondern ein Set von Fähigkeiten und Routinen. Und die kannst du trainieren – ähnlich wie ein Muskel.

Schritt 1: Dein Imposter-Muster erkennen (ohne dich dafür zu verurteilen)

Bevor du etwas veränderst, musst du es bemerken. Klingt banal, ist aber in der Praxis der entscheidende Schritt.

Eine einfache Übung für die nächsten 7 Tage:

Du brauchst keine lange Analyse, nur Stichpunkte. Ziel ist: Muster sichtbar machen. Viele meiner Coachees merken nach ein paar Tagen: „Ach krass, es ist gar nicht überall – es triggert vor allem in Situation X mit Person Y.“ Das macht das Ganze direkt handhabbarer.

Schritt 2: Faktencheck statt Mind-Reading

Ein typisches Merkmal des Imposter-Syndroms: Wir lesen Gedanken anderer Menschen – minus Beweise, plus Drama.

Beispiel aus einem Coaching: Eine Klientin erzählte, ihr Geschäftsführer halte sie für inkompetent. Ich habe gefragt: „Woran genau machst du das fest?“ Antwort: „Er hat einmal kritisch nachgefragt.“ Nach ein paar Nachfragen blieb: eine (!) kritische Frage und viele Interpretationen.

Übung für dich, wenn du wieder in solchen Spiralen steckst:

Allein diese Trennung sorgt oft für einen inneren Perspektivwechsel. Du musst deinen Interpretationen nicht glauben – du kannst sie als Hypothesen behandeln, die man prüfen kann.

Schritt 3: Erfolgsbilanz statt Gedankenkarussell

Menschen mit Imposter-Syndrom sammeln Fehler wie Trophäen – und übersehen systematisch ihre Erfolge. Das verzerrt die innere Wahrnehmung.

Ich empfehle fast allen meinen Klient:innen eine „Erfolgsbilanz“ zu führen. Nicht als Ego-Show, sondern als Gegenmittel gegen den inneren Kritiker.

So geht’s:

Wichtig: Es geht nicht darum, dass alles perfekt war. Es geht darum, deinen tatsächlichen Einfluss sichtbar zu machen. Diese Liste ist Gold wert, wenn du in einer Selbstzweifel-Welle oder mitten im jährlichen Mitarbeitergespräch sitzt.

Schritt 4: Deinen inneren Kritiker regulieren – nicht bekämpfen

Der innere Kritiker hat oft eine gut gemeinte Funktion: Er will dich davor schützen, Fehler zu machen, abgelehnt zu werden oder sichtbar zu scheitern. Er übertreibt nur maßlos.

Statt ihn zu „besiegen“, ist es hilfreicher, ihn zu regulieren.

Drei einfache Werkzeuge dafür:

Das Ganze ist am Anfang ungewohnt, aber mit der Zeit entsteht so eine innere Gesprächskultur, die mehr an ein erwachsenes Teammeeting erinnert als an eine innere Anklagebank.

Schritt 5: Mut in kleinen Dosen – systematisch trainieren

Innere Souveränität entsteht nicht am Schreibtisch, sondern im Alltag – durch kleine Verhaltensänderungen. Mut ist ein Muskel, der Wiederholungen braucht.

Statt dich direkt mit „Ich halte nächstes Jahr eine Keynote vor 500 Leuten“ zu überfordern, arbeite mit Mini-Experimenten:

So gewöhnst du dein Nervensystem langsam daran, sichtbar zu sein – ohne dich permanent in Panik zu versetzen. Viele merken nach ein paar Wochen: „Die Angst ist nicht weg, aber sie steuert nicht mehr alles.“

Schritt 6: Grenzen setzen, um souveräner zu werden

Spannenderweise denken viele: „Wenn ich nur noch mehr leiste, fühle ich mich sicherer.“ In der Praxis passiert oft das Gegenteil: Ohne Grenzen produzierst du Dauerstress – und Stress verstärkt Selbstzweifel.

Innere Souveränität zeigt sich auch darin, wo du stoppst.

Ein paar Ansatzpunkte aus Coachings:

Grenzen sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von Selbstachtung. Und Selbstachtung ist die Basis für Souveränität.

Schritt 7: Mit Verbündeten arbeiten statt allein kämpfen

Imposter-Gefühle sind oft mit Scham verbunden – deshalb reden wir nicht darüber. Das ist schade, denn genau dadurch bleibt das Thema im Verborgenen und wirkt stärker.

Du musst daraus kein Gruppentherapie-Projekt machen, aber du kannst dir bewusst Verbündete suchen:

Viele meiner Klient:innen erleben den größten Aha-Moment, wenn sie merken: „Es geht anderen genauso – sogar denen, von denen ich dachte, sie hätten alles im Griff.“

Wie du erkennst, dass du auf dem Weg bist

Innere Souveränität kommt selten als großer Aha-Moment. Sie zeigt sich eher in vielen kleinen Anzeichen. Zum Beispiel:

Das sind klare Signale: Dein inneres Betriebssystem updatet sich.

Ein Vorschlag für die nächsten 14 Tage

Wenn du das Thema wirklich angehen willst, mach es dir so leicht wie möglich. Kein perfekter Masterplan, sondern ein konkreter, realistischer Start.

Mein Vorschlag:

Nach diesen 14 Tagen wirst du nicht „geheilt“ sein – aber du wirst erste Daten, Erfahrungen und Erfolge gesammelt haben. Und genau daraus entsteht langfristig echte innere Sicherheit.

Das Imposter-Syndrom verschwindet nicht durch noch mehr Leistungsdruck, noch mehr Zertifikate oder noch mehr Perfektion. Es wird leiser, wenn du lernst, deine Erfolge realistischer zu sehen, deine Grenzen zu setzen und dich Schritt für Schritt sichtbar zu machen – mit all deinen Stärken und auch mit dem, was du noch lernst.

Innere Souveränität ist kein Zustand, sondern eine Praxis. Und du kannst heute anfangen, sie zu trainieren – im nächsten Meeting, in der nächsten Mail, im nächsten kleinen „Ich trau mich trotzdem“.

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