Du kennst das vielleicht: Seit Monaten denkst du darüber nach, eine längere Auszeit zu nehmen. Sabbatical? Unbezahlter Urlaub? Job kündigen und reisen? Oder reicht es vielleicht schon, endlich mal konsequent Feierabend zu machen und ein Wochenende nicht „nur kurz Mails zu checken“?
Zwischen „Ich brauche dringend eine Pause“ und „Ich schmeiße alles hin und gehe ein Jahr nach Costa Rica“ gibt es ziemlich viele Möglichkeiten. Die gute Nachricht: Du musst dich nicht sofort für die radikalste Variante entscheiden. Die wichtige Nachricht: Wenn du nichts aktiv planst, passiert meistens – nichts.
Warum dein Körper Pause schreit, dein Kopf aber weitermacht
In Coachings kommen Menschen oft mit Sätzen wie:
Das sind klassische Warnsignale. Nicht unbedingt Burnout, aber: Du lebst auf Verschleiß. Und dann passiert eins von zwei Dingen:
Beides ist nicht besonders hilfreich. Sinnvoller ist es, bewusst zu schauen: Welche Form von Pause passt gerade zu mir, zu meinem Leben, zu meinen Finanzen – und zu meinen echten Bedürfnissen?
Welche Arten von Pausen es überhaupt gibt
Statt „Sabbatical oder gar nichts“ lohnt sich ein differenzierter Blick. Ein paar typische Formen:
1. Mikro-Pausen im Alltag
Klingen banal, sind aber oft der erste Hebel, um aus dem Dauerstress-Modus rauszukommen.
2. Kleine Auszeiten (Tage bis wenige Wochen)
Ideal, um mal wirklich runterzukommen, ohne dein komplettes Leben umzukrempeln.
3. Sabbatical (mehrere Monate bis zu einem Jahr)
Das ist die „große Lösung“ – braucht Planung, klare Ziele und realistische Erwartungen.
4. Strukturelle Pausen
Spannend für alle, die merken: Es geht nicht nur um Erholung, sondern um eine Neuausrichtung.
Bevor du eine Form wählst: Was brauchst du eigentlich wirklich?
Viele springen zu schnell in die Lösungsform („Ich brauche ein Sabbatical“), ohne das eigentliche Bedürfnis zu klären. Ein paar Coaching-Fragen, die du dir stellen kannst:
Beispiel aus einem Coaching: Eine Klientin war überzeugt, sie brauche unbedingt ein halbes Jahr Weltreise. Nach ein paar Sitzungen stellte sich raus: Sie war nicht reisefreudig, sondern erschöpft und überfordert. Was sie wirklich brauchte, war:
Das halbe Jahr Auszeit wäre vermutlich ein sehr teurer Versuch gewesen, ein strukturelles Problem zu lösen.
Wann ein Sabbatical sinnvoll ist – und wann eher nicht
Ein Sabbatical kann großartig sein, wenn…
Weniger hilfreich ist ein Sabbatical oft, wenn…
Ein Sabbatical ist kein magischer Reset-Button. Es ist ein Zeitfenster. Was du darin machst (oder nicht machst), entscheidet am Ende über den Effekt.
Kleine Auszeiten: unterschätzt, aber extrem wirksam
Viele meiner Klient:innen erleben kleine, gut geplante Pausen als überraschend transformativ, zum Beispiel:
Vielleicht denkst du: „Das reicht niemals, ich bin so am Limit.“ Häufig ist aber nicht die Länge der Auszeit das Hauptproblem, sondern ihre Qualität:
Statt auf das perfekte Sabbatical in zwei Jahren zu warten, kannst du anfangen, regelmäßig kleine, aber echte Auszeiten zu etablieren. Das senkt den Druck und macht dein System insgesamt robuster.
Mikro-Pausen: der unsexy, aber entscheidende Hebel
Ja, ich weiß – 5 Minuten Pause zwischen zwei Meetings klingt nach „Selfcare-Instagram-Ratschlag“. In der Praxis macht es aber einen massiven Unterschied, ob dein Nervensystem wenigstens kurze Momente zum Runterfahren bekommt oder ob du dich von morgens bis abends durchballerst.
Pragmatische Mikro-Pausen, die du morgen testen kannst:
Diese Mikro-Pausen ersetzen kein Sabbatical, aber sie verhindern, dass du eins dringend brauchst, weil du völlig ausgebrannt bist.
Der Realitätscheck: Was ist für dich im nächsten Jahr machbar?
Statt in Wunschbildern zu bleiben, lohnt eine ganz nüchterne Bestandsaufnahme. Nimm dir ein Blatt Papier und teile es in drei Spalten:
Viele merken in diesem Schritt: Ein volles Jahr Auszeit ist gerade vielleicht nicht drin – aber drei Monate wären machbar. Oder: Ein Sabbatical ist organisatorisch schwierig, aber 3–4 Wochen unbezahlter Urlaub plus konsequenter Urlaubseinsatz bringen schon viel.
Wie du dein Sabbatical (oder deine Auszeit) konkret planst
Wenn du eine größere Pause ins Auge fasst, helfen diese Schritte:
1. Ziel klären
2. Finanzplan schaffen
Ein realistischer Finanzplan nimmt wahnsinnig viel Druck raus. Es ist ein Unterschied, ob du „irgendwie von Ersparnissen lebst“ oder genauer weißt: „Ich habe 6 Monate + Puffer, wenn ich mich an diese Summe halte.“
3. Arbeitgeber-Gespräch vorbereiten
Statt vage anzufragen („Ich würde gern mal eine längere Auszeit machen…“), geh mit einem konkreten Vorschlag ins Gespräch:
Je klarer du selbst bist, desto eher bist du verhandelbar. Und: Rechne mit Gegenfragen und Einwänden. Das heißt nicht automatisch „Nein“, sondern oft „Ich muss verstehen, wie wir das organisieren“.
4. Struktur für die Auszeit festlegen
„Ich mache einfach mal gar keinen Plan“ klingt verlockend, führt in der Praxis aber häufig dazu, dass du in alte Muster fällst (Dauer-Social-Media, 1000 Ideen, nichts umgesetzt).
Eine minimale Struktur kann sein:
Die Kunst liegt in der Balance: genug Struktur, um nicht zu versanden – genug Freiheit, damit es wirklich eine Auszeit ist und kein Selbstoptimierungs-Bootcamp.
Wie du auch ohne Sabbatical mehr Raum für dich schaffst
Nicht jede Lebenssituation erlaubt ein Sabbatical. Vielleicht hast du kleine Kinder, Pflegeverantwortung, eine befristete Stelle, wenig Rücklagen oder du bist gerade in einer Ausbildung. Das heißt aber nicht, dass du „halt durchhalten“ musst, bis irgendwann der perfekte Zeitpunkt kommt.
Drei Ebenen, auf denen du sofort ansetzen kannst:
1. Arbeit anders strukturieren
2. Mikro-Auszeiten fest einplanen
3. Innere Erlaubnis trainieren
Viele Menschen brennen nicht primär aus, weil sie so viel arbeiten müssen, sondern weil sie sich keine Pause zugestehen. Typische Glaubenssätze:
Hier helfen Reflexion und manchmal auch ein ehrliches Gespräch mit sich selbst: Woher kommen diese Sätze? Wem versuche ich eigentlich etwas zu beweisen? Und zu welchem Preis?
Wie du merkst, dass deine aktuelle Pausenstrategie nicht mehr passt
Ein paar Warnhinweise, die ich im Coaching immer wieder sehe:
Das sind Hinweise darauf, dass deine kleinen Pausen nicht mehr ausreichen – oder qualitativ nicht das sind, was du bräuchtest. Spätestens dann lohnt es sich, über eine größere Auszeit oder tiefere Veränderungen nachzudenken.
Wie du jetzt konkret starten kannst
Statt diesen Artikel wegzuklicken und „irgendwann mal“ zu planen, kannst du dir jetzt 10 Minuten Zeit nehmen und folgende Schritte machen:
Und dann fang klein an. Du musst nicht sofort das perfekte Sabbatical-Programm entwerfen. Aber du kannst heute entscheiden, dass dein Körper und dein Kopf nicht erst eine Krise produzieren müssen, bevor du ihnen ernsthaft eine Pause gönnst.
Pausen sind kein Luxus. Sie sind die Grundlage dafür, dass du dein Leben bewusst gestalten kannst – statt dich nur irgendwie durch deinen Alltag zu schleppen.
