Lena Deutsch

Psychische gesundheit im job: wie wir offener und ehrlicher werden können und unterstützung finden

Psychische gesundheit im job: wie wir offener und ehrlicher werden können und unterstützung finden

Psychische gesundheit im job: wie wir offener und ehrlicher werden können und unterstützung finden

Psychische Gesundheit im Job ist längst kein Nischenthema mehr. Trotzdem sitzen viele von uns noch im Meeting, lächeln professionell – und innerlich ist längst der Akku rot, das Gedankenkarussell auf Dauerbetrieb oder die Motivation im Urlaub ohne Rückflugticket.

Vielleicht kennst du Situationen wie diese:

In diesem Artikel schauen wir uns an, wie wir im Job offener und ehrlicher mit psychischer Gesundheit umgehen können – ohne uns ungeschützt zu machen – und welche konkreten Wege es gibt, Unterstützung zu finden.

Warum Offenheit zu psychischer Gesundheit im Job so schwer fällt

In Coachings höre ich oft Sätze wie: „Ich könnte nie zugeben, dass mir gerade alles zu viel ist. Dann bin ich doch sofort raus.“ Dahinter stecken meist drei Ängste:

Das Tragische: Genau diese Tabus führen häufig dazu, dass Menschen viel zu spät Hilfe suchen. Studien der Deutschen Depressionshilfe zeigen zum Beispiel, dass zwischen ersten Symptomen einer depressiven Phase und der ersten professionellen Unterstützung im Schnitt Monate bis Jahre liegen. Im Arbeitskontext oft noch länger – aus Angst vor Konsequenzen.

Gleichzeitig wird über „Resilienz“ und „Selfcare“ gesprochen, als wären das neue Pflichtskills im Lebenslauf. Die Botschaft dahinter ist manchmal: „Kümmere dich gut um dich, damit du weiter volle Leistung bringst.“ Das hilft niemandem wirklich.

Wenn wir ehrlicher werden wollen, brauchen wir zwei Dinge: individuelle Strategien (Wie rede ich über mich, ohne mich zu überfordern?) und strukturelle Veränderungen (Wie schafft ein Team/Unternehmen Räume, in denen solche Gespräche überhaupt möglich sind?).

Wie offen „offen“ sein sollte: dein persönliches Level finden

Wichtiger Punkt vorweg: Ehrlichkeit bedeutet nicht, dass du jedem alles erzählst. Psychische Gesundheit ist ein sensibler Bereich, und du hast das Recht auf Grenzen. Die Frage lautet eher:

Wie kann ich so über meine Situation sprechen, dass ich mir selbst treu bleibe – und gleichzeitig meine professionelle Rolle wahre?

Eine simple Orientierung, die ich mit Klient:innen nutze, ist das Drei-Ringe-Modell:

Du musst nicht im Team-Call deine Diagnose teilen, um „offen“ zu sein. Es reicht oft, den Raum zwischen „alles super“ und totalem Zusammenbruch zu füllen.

Frage an dich:

Es kann ein guter erster Schritt sein, genau mit diesen Menschen vorsichtig zu üben.

Konkrete Sätze, um über deine Situation zu sprechen

Viele bleiben stumm, weil ihnen einfach die Worte fehlen. Die Unsicherheit ist groß: Wie sage ich das, ohne dramatisch zu wirken – und ohne zu verharmlosen?

Hier ein paar Satzbausteine, die sich in der Praxis bewährt haben:

Du kannst diese Sätze an deinen Stil anpassen – wichtig ist die Struktur dahinter:

Wie du andere ansprechen kannst, ohne übergriffig zu werden

Vielleicht sitzt du eher auf der anderen Seite: Du machst dir Sorgen um Kolleg:innen oder Teammitglieder, weißt aber nicht, wie du das ansprechen sollst.

Typische Fehlversuche sah ich schon oft:

Besser sind Fragen, die beobachten statt bewerten und Raum öffnen statt drängen:

Wichtige Prinzipien dabei:

Und: Du musst nicht Therapeut:in sein. Deine Rolle ist nicht, zu „heilen“. Deine Rolle ist, hinzusehen, anzusprechen und zu unterstützen, z.B. durch Entlastung, Priorisierung oder den Hinweis auf professionelle Angebote.

Unterstützung finden: von „alleine durchkämpfen“ zu „ich muss das nicht solo lösen“

Viele versuchen, psychische Themen im Job lange alleine zu managen. Das führt oft zu folgenden Strategien:

Das Problem: All das verschiebt das eigentliche Thema nur. Wenn du merkst, dass deine psychische Gesundheit leidet, kann es hilfreich sein, dir Unterstützung auf drei Ebenen zu organisieren.

1. Professionelle Hilfe

2. Betriebliche Angebote

Viele Unternehmen haben mittlerweile mehr im Angebot, als auf den ersten Blick sichtbar ist:

Viele wissen gar nicht, dass es diese Angebote gibt. Das ist ein Führungs- und Kommunikationsthema – aber du musst nicht warten, bis jemand von oben alles perfekt aufbereitet. Du kannst proaktiv nachfragen: bei HR, im Intranet, beim Betriebsrat.

3. Soziales Netz

Psychische Belastung isoliert. Genau deshalb ist soziale Anbindung ein Schutzfaktor. Du musst nicht mit allen tiefgründige Gespräche führen, aber:

Eine kleine Übung:

Was Führungskräfte konkret tun können (ohne gleich Psycholog:in zu werden)

Wenn du Verantwortung für Menschen hast, bist du automatisch auch mit dem Thema psychische Gesundheit konfrontiert – ob du willst oder nicht. Die gute Nachricht: Du musst keine Diagnosen stellen. Dein Hebel ist ein anderer.

Drei Hebel, die du als Führungskraft sofort nutzen kannst:

Das Signal dahinter: Leistung und psychische Gesundheit schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Wer seine Grenzen kennt und benennen darf, arbeitet langfristig stabiler.

Dein persönlicher Umgang: Mini-Check-in-Routine für den Arbeitsalltag

Offenheit beginnt oft im Kleinen: bei dir selbst. Viele merken erst dann, dass sie „drüber“ sind, wenn nichts mehr geht. Darum lohnt sich eine kleine, tägliche Routine.

Eine einfache Variante, die viele meiner Klient:innen nutzen:

Täglicher 3-Minuten-Check-in (am besten immer zur gleichen Zeit)

Der Effekt: Du trainierst, dich selbst wahrzunehmen – und kleinere Korrekturen vorzunehmen, statt auf den großen Crash zu warten.

Wie du die Kultur in deinem Team Schritt für Schritt veränderst

Vielleicht denkst du: „Alles schön und gut, aber in meinem Team/Unternehmen ist das utopisch.“ Dann zwei Gedanken:

Kleine Hebel, die in vielen Teams überraschend viel bewirken:

Veränderung wirkt oft langsamer, als wir es gern hätten. Aber sie beginnt genau da, wo jemand anfängt, ehrlicher zu sprechen – und andere merken: „Ah, das geht hier. Man stirbt nicht sofort karrieremäßig.“

Wenn du magst, kannst du dir zum Abschluss drei Fragen beantworten:

Psychische Gesundheit im Job ist kein „Nice-to-have“, das wir irgendwo hinter OKRs und Projektplänen einsortieren. Sie ist die Basis dafür, dass all das überhaupt dauerhaft funktionieren kann.

Und nein, du musst das nicht perfekt können. Es reicht, wenn du anfängst, einen Tick weniger „Alles bestens!“ und einen Tick mehr „So ist es gerade wirklich“ in deinen Arbeitsalltag zu bringen. Der Rest ergibt sich Schritt für Schritt – mit den richtigen Menschen und der passenden Unterstützung an deiner Seite.

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