Lena Deutsch

Nebenprojekt, nebenberufung, side hustle: was wirklich zu dir passt und wie du gesund balancierst

Nebenprojekt, nebenberufung, side hustle: was wirklich zu dir passt und wie du gesund balancierst

Nebenprojekt, nebenberufung, side hustle: was wirklich zu dir passt und wie du gesund balancierst

Vielleicht kennst du das: Dein Job ist okay – aber da ist diese Idee. Ein Podcast. Ein kleiner Online-Shop. Eine Weiterbildung, aus der irgendwann mehr werden könnte. Auf Instagram scheinen alle einen “Side Hustle” zu haben und du fragst dich: Brauche ich das auch? Und wenn ja – was passt wirklich zu mir, ohne dass ich mich komplett überlaste?

Genau darum geht es hier: Nebenprojekt, Nebenberufung, Side Hustle – was ist was, wie findest du deinen eigenen Weg und wie balancierst du das Ganze, ohne in die 60-Stunden-Woche zu rutschen.

Was willst du eigentlich: Ausgleich, Einkommen oder Ausstieg?

Bevor wir über Modelle, To-do-Listen und Routinen sprechen, eine unbequeme, aber entscheidende Frage:

Warum willst du überhaupt etwas “nebenbei” machen?

Aus meiner Coaching-Praxis sehe ich grob drei Hauptmotive:

Hinter jedem dieser Motive stecken andere Erwartungen – und andere Risiken. Wer Ausgleich sucht, aber ein einkommensgetriebenes Side-Business startet, landet oft genau da, wo er nicht hinwollte: Noch mehr Druck, nur mit anderem Etikett.

Kurzer Selbstcheck – was trifft am ehesten auf dich zu?

Notiere dir spontan dein Hauptmotiv. Du wirst später im Artikel darauf zurückkommen.

Nebenprojekt, Nebenberufung, Side Hustle: Wo ist der Unterschied?

Viele werfen die Begriffe durcheinander, aber sie aktivieren unterschiedliche Erwartungen in unserem Kopf. Eine einfache Unterscheidung, mit der ich im Coaching arbeite:

Die Frage ist nicht, welches Label am “coolsten” ist, sondern:

Welches Format passt zu deiner aktuellen Lebensphase, deiner Energie und deinem Risiko-Profil?

Wenn du gerade ein anspruchsvolles Vollzeitprojekt, kleine Kinder und einen Umzug jonglierst, ist ein aggressiv wachsender Side Hustle als drittes Großprojekt vielleicht – sagen wir – ambitioniert. Ein überschaubares Nebenprojekt kann in dieser Phase viel gesünder sein.

Reality Check: Hast du wirklich Kapazität für ein “Neben-Ding”?

Bevor du irgendetwas startest, lohnt ein ehrlicher Blick auf deine Ressourcen.

Stell dir diese drei Fragen:

Setz dich 10 Minuten hin und formuliere konkret:

Wenn z regelmäßig bei 2–3 liegt, ist deine erste “Nebenberufung” ehrlich gesagt: Erholung organisieren. Alles andere führt mit Ansage in Frust.

Welches Modell passt zu dir? Drei Typen – und was gut funktioniert

Aus vielen Coaching-Gesprächen sehe ich grob drei Typen, wenn es um Nebenthemen geht. Du musst dich nicht zu 100 % in einem wiederfinden, aber oft gibt es eine Tendenz.

Typ 1: Die kreative Entdeckerin

Du hast ständig Ideen, liebst Vielfalt, lernst gerne Neues. Geld ist nett, aber nicht dein Haupttreiber. Du brauchst eher Raum zum Ausprobieren als einen sofort funktionierenden Businessplan.

Für dich passen oft:

Risiko: Du startest viel, beendest wenig, bist schnell begeistert und genauso schnell gelangweilt.

Gegenmittel: Arbeite mit klaren Zeitcontainern: “Dieses Projekt läuft 3 Monate, dann entscheide ich bewusst, ob es weitergeht.”

Typ 2: Die sinngetriebene Berufene

Du willst Wirkung haben, Menschen unterstützen, etwas beitragen. Dein Wunsch: “Ich will, dass sich das, was ich beruflich mache, richtig anfühlt.” Du denkst schon heimlich darüber nach, ob dein Nebenprojekt irgendwann zum Hauptjob werden könnte.

Für dich passen oft:

Risiko: Du idealisierst die “Berufung” und unterschätzt die ganz praktischen Seiten (Marketing, Steuern, Frustrationstoleranz).

Gegenmittel: Teste deine Idee erst im Kleinen, gegen echte Rückmeldungen und mit echten Kund:innen, bevor du sie in deinem Kopf zum Lebenswerk machst.

Typ 3: Die strategische Planerin

Du willst Unabhängigkeit, ein zweites Standbein, finanzielle Stabilität. Du bist bereit, strukturiert und kontinuierlich Zeit zu investieren, wenn sich das Ganze wirtschaftlich lohnt.

Für dich passen oft:

Risiko: Du gehst zu schnell in “Business-Modus” und verlierst die Freude – oder du übernimmst dich zeitlich.

Gegenmittel: Von Anfang an harte Grenzen setzen (Maximalstunden, klare Pausenzeiten) und bewusst Elemente einbauen, die dir Spaß machen, auch wenn sie nicht “effizient” sind.

Frag dich: Welcher Typ ist bei dir gerade am stärksten? Und passt das zu deiner aktuellen Lebenssituation?

Gesunde Balance: Ein einfaches Wochen-Framework

Jetzt wird es praktisch. Wie organisierst du dein Nebenprojekt so, dass du nicht nach drei Wochen ausgebrannt bist?

Ein Modell, das sich in meinen Coachings bewährt hat, ist die 3–2–1-Struktur für Wochen mit Nebenprojekt:

Ein “Block” ist 2–3 Stunden fokussierte Zeit.

So könnte das konkret aussehen:

Wichtiger Punkt: Plane Erholung aktiv ein. Sonst füllt dein Nebenprojekt einfach jeden freien Slot, bis nichts Freies mehr übrig ist.

Wenn du Kinder, Pflegeverantwortung oder sehr fordernde Projekte hast, kann die Zahl der Blöcke kleiner sein – dann ist es eben 1–1–1 oder 1–1–0. Ein Nebenprojekt darf sich an dein Leben anpassen, nicht umgekehrt.

Red Flags: Woran du merkst, dass dein Nebenprojekt dich überholt

Nebenprojekte können energiefüllend oder energiefressend sein. Manche starten als Quelle der Inspiration und werden schleichend zur zweiten To-do-Liste, die dich nachts wachhält.

Ein paar Warnsignale, auf die du achten solltest:

Wenn du dich in mehreren Punkten wiederfindest, ist nicht die erste Lösung, noch produktiver zu werden. Sondern:

Wie du startest, ohne dich zu verzetteln

Viele starten gar nicht, weil die Idee im Kopf schon so groß geworden ist, dass sie überwältigend wirkt. Ein paar Prinzipien, um ins Tun zu kommen – ohne direkt alles auf den Kopf zu stellen:

1. Denk in Experimenten, nicht in Lebensentscheidungen.

Statt: “Ich baue mir ein Coaching-Business auf.”

Formuliere: “Ich teste drei Monate lang, ob mir 1:1-Coachings neben dem Job Freude bringen und ob Nachfrage da ist.”

2. Mach die kleinstmögliche Version.

Beispiele:

3. Leg dich für 8–12 Wochen fest.

Kein ständiges Konzept-Wechseln. Du entscheidest dich für ein kleines Experiment und ziehst es durch – inklusive vorher definierter Erfolgskriterien, zum Beispiel:

Nach dieser Zeit gehst du bewusst in eine Reflexion: Was hat funktioniert? Was nicht? Will ich in dieser Form weitermachen?

Typische Fallen – und wie du sie vermeidest

Ein paar Klassiker, die ich immer wieder sehe:

Reflexion: Was passt jetzt zu dir?

Zum Abschluss ein kleines Coaching-Exercise, das du direkt machen kannst. Nimm dir 10–15 Minuten, Papier und Stift.

Schritt 1: Dein Motiv klären

Beende den Satz schriftlich:

Schreib mindestens fünf Sätze, ohne abzusetzen. Dann markiere den Satz, der sich am wahrhaftigsten anfühlt.

Schritt 2: Dein Format wählen

Wähle eines der drei Formate für die nächsten 3 Monate:

Schreib auf:

Schritt 3: Dein Mini-Experiment planen

Definiere:

Beispiel:

Schritt 4: Schutzmechanismen einbauen

Notiere dir zum Schluss:

So wird dein Nebenprojekt nicht zum heimlichen zweiten Vollzeitjob, sondern zu dem, was es sein soll: Eine gestaltbare Ergänzung deines Lebens – als Spielwiese, als berufliche Erkundung oder als strategisches Standbein. Und vor allem: etwas, das zu dir passt, nicht zu den Erwartungen von Instagram & Co.

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