Lena Deutsch

Mindset-shift: vom mangel-denken in die möglichkeiten-perspektive für karriere und leben

Mindset-shift: vom mangel-denken in die möglichkeiten-perspektive für karriere und leben

Mindset-shift: vom mangel-denken in die möglichkeiten-perspektive für karriere und leben

Du kennst das vielleicht: Du sitzt in einem Meeting, hörst einer Kollegin zu, die eine neue Idee vorstellt, und dein erster Gedanke ist: „Das geht nie, dafür haben wir kein Budget / keine Zeit / nicht die richtigen Leute.“ Willkommen im Mangel-Denken.

Spannend wird es, wenn man merkt: Dieses Muster taucht nicht nur im Job auf, sondern überall – in Karrierefragen, in Beziehungen, in unserem Selbstbild. Und es bestimmt still und leise, wie viel Spielraum wir uns im Leben überhaupt erlauben.

In diesem Artikel schauen wir uns an, wie du den Schalter vom Mangel-Fokus hin zu einer Möglichkeiten-Perspektive umlegst – ohne dir irgendwas schönzureden. Mit praktischen Fragen, kleinen Experimenten und einem Blick darauf, wie du diesen Shift im Alltag (und im Büro) wirklich lebst.

Was ist eigentlich Mangel-Denken – und wie erkennst du es?

Mangel-Denken bedeutet: Deine innere Aufmerksamkeit ist vor allem darauf gerichtet, was fehlt. Zeit, Geld, Anerkennung, Sicherheit, Talent, Klarheit – such dir was aus.

Typische Sätze im Kopf klingen dann so:

Wichtig: Mangel-Denken ist nicht dasselbe wie Realismus. Realismus sagt: „Es gibt begrenzte Ressourcen. Was ist der beste Umgang damit?“ Mangel-Denken sagt: „Es ist zu wenig da. Punkt. Also brauche ich gar nicht erst groß zu denken.“

Im Coaching erlebe ich Mangel-Denken oft in drei Varianten:

Alle drei führen zum gleichen Ergebnis: Du triffst Entscheidungen aus Angst vor Verlust – nicht aus Orientierung am Potenzial.

Warum Mangel-Denken deine Karriere (und dein Leben) kleiner macht

Unser Gehirn liebt Sicherheit. Aus neuropsychologischer Sicht ist es völlig logisch, eher die Risiken zu scannen als die Chancen. Das Problem: Wer dauerhaft im Mangel-Modus unterwegs ist, produziert genau das, wovor er sich schützen will – Stillstand oder Überforderung.

Ein paar typische Effekte im Berufsalltag:

Das perfide: Mangel-Denken bestätigt sich ständig selbst. Wenn du davon ausgehst, dass wenig möglich ist, wirst du kleiner handeln – und bekommst entsprechend kleinere Ergebnisse. Dein Gehirn sagt dann: „Siehst du, hab ich doch gesagt.“

Was bedeutet „Möglichkeiten-Perspektive“ konkret?

Möglichkeiten-Perspektive bedeutet nicht: Naives „Alles ist möglich, du musst es nur wollen!“. Darum geht es hier ausdrücklich nicht.

Es geht um eine pragmatische Frage:

„Innerhalb der Rahmenbedingungen, die ich gerade habe: Welche Optionen gibt es trotzdem?“

Das ist ein Mindset, das drei Dinge gleichzeitig halten kann:

Ein Wechsel zur Möglichkeiten-Perspektive klingt zum Beispiel so:

Ein Unterschied, der in der Praxis entscheidend ist: Du fragst nicht mehr „Ob etwas geht“, sondern „Wie es gehen könnte“ – oder wenigstens „Was ein Schritt in die richtige Richtung wäre“.

Ein persönlicher Fail (und was ich daraus gelernt habe)

Als ich noch im Konzern gearbeitet habe, gab es eine Zeit, in der ich innerlich komplett im Mangel hing: Zu viele Projekte, zu wenig Ressourcen, zu viel Politik. Meine Gedanken kreisten um „Das System ist halt so“, „Hier geht echte Weiterentwicklung nicht“ und „Ich kann sowieso nichts ändern“.

Rückblickend war das Paradoxe: Objektiv hatte ich viele Möglichkeiten – Weiterbildungen, interne Wechsel, spannende Stakeholder. Subjektiv war ich überzeugt: Das bringt ja alles nichts. Also habe ich mich klein gemacht, mich eher beschwert als gestaltet und jede Option innerlich schon abgeschossen, bevor ich sie ernsthaft geprüft hatte.

Der Wendepunkt kam, als mir in einem Gespräch jemand sehr direkt sagte: „Du redest, als wärst du hier festgekettet. Bist du aber nicht.“ Autsch. Aber es saß.

Ich habe dann angefangen, mir ganz bewusst die Frage zu stellen: „Was liegt konkret in meinem Einflussbereich – heute, diese Woche, in den nächsten drei Monaten?“ Und plötzlich waren da doch Optionen: Projekte umpriorisieren, ein Job-Shadowing organisieren, ein internes Coaching in Anspruch nehmen, Gespräche mit möglichen neuen Vorgesetzten führen.

Das System war über Nacht nicht besser. Aber meine Handlungsspielräume wurden spürbar größer, weil ich sie überhaupt wieder wahrgenommen habe.

Erkenne deine eigenen Mangel-Muster

Bevor du etwas veränderst, musst du sehen, was gerade läuft. Eine kleine Selbstdiagnose hilft dabei.

Nimm dir drei Situationen aus den letzten zwei Wochen, in denen du dich gestresst, blockiert oder frustriert gefühlt hast. Zum Beispiel:

Beantworte dazu schriftlich (ja, wirklich aufschreiben):

Achte auf typische Mangel-Signale in deinen Antworten:

Diese Muster zu sehen ist kein Grund, dich zu verurteilen. Sie sind Schutzstrategien. Die Frage ist nur: Schützen sie dich wirklich – oder halten sie dich kleiner, als nötig wäre?

Vom Mangel zur Möglichkeit: ein einfacher 4-Schritte-Shift

Hier ein kleines Framework, das du direkt im Alltag nutzen kannst – in E-Mails, in Gesprächen, in deinen eigenen Gedanken.

Schritt 1: Benenne den Mangel-Satz

Erwische den Mangel-Gedanken in Echtzeit und formuliere ihn konkret:

Schon das bewusste Benennen schafft Distanz: Es ist ein Gedanke, kein Naturgesetz.

Schritt 2: Checke die Fakten

Frage dich:

Beispiel: „Ich habe nicht genug Erfahrung“ – stimmt es in absoluten Zahlen (Jahre, Projekte)? Oder geht es eher um Perfektionsansprüche wie „Ich müsste 120 % passen, um mich zu bewerben“?

Schritt 3: Formuliere eine Möglichkeits-Frage

Jetzt kommt der eigentliche Shift. Ersetze den Mangel-Satz durch eine Frage, die Gestaltung öffnet:

Gute Möglichkeits-Fragen sind:

Schritt 4: Definiere einen kleinsten nächsten Schritt

Stell dir die Frage: „Was ist der minimal machbare nächste Schritt in Richtung dieser Möglichkeit?“

Beispiele:

So verankerst du die Möglichkeiten-Perspektive im Verhalten – nicht nur im Denken.

Wie du den Mindset-Shift im Arbeitsalltag trainierst

Einmal verstanden heißt noch nicht: dauerhaft integriert. Mindset ist weniger eine Erkenntnis als eine Routine.

Ein paar einfache Trainingsideen für deinen Joballtag:

Klingt banal? Ja. Funktioniert trotzdem. Gerade die Sprache ist ein starker Hebel: Was du sagst, formt, was du wahrnimmst.

Typische Stolperfallen – und wie du sie umgehst

Beim Wechsel in eine Möglichkeiten-Perspektive gibt es ein paar Fallen, die ich bei Klient:innen (und bei mir selbst) immer wieder sehe.

Möglichkeiten-Perspektive in deiner Karriereplanung

Lass uns das Thema noch einmal konkret auf deine berufliche Entwicklung runterbrechen.

Wenn du das Gefühl hast, festzustecken, kannst du dir drei Leitfragen stellen:

Nutze diese Fragen nicht nur einmal im Jahresgespräch, sondern regelmäßig – zum Beispiel alle drei Monate als Mini-Check-in mit dir selbst.

Ein kleines Experiment für die nächste Woche

Wenn du diesen Artikel nicht nur liest, sondern wirklich etwas verändern willst, probiere folgendes 7-Tage-Experiment:

Du wirst in einer Woche nicht dein ganzes Leben umbauen. Aber du wirst merken, wie sich dein innerer Ton verändert. Und genau da beginnt eine andere Art, Karriere und Leben zu gestalten.

Am Ende geht es nicht darum, alles „groß“ zu machen. Sondern bewusst zu entscheiden: Wo will ich nicht länger im Mangel steckenbleiben – und welche Möglichkeiten bin ich bereit, mir zuzugestehen?

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