Ein französischer Feiertag klingt zunächst unkompliziert: jour férié heißt auf Deutsch einfach „Feiertag“. Doch sobald du einen Urlaub planst, ein französisches Team koordinierst oder einen Termin in Paris vereinbaren möchtest, wird es etwas differenzierter.
Ist an diesem Tag wirklich alles geschlossen? Gilt der Feiertag in ganz Frankreich? Und warum arbeitet an manchen französischen Feiertagen trotzdem jemand?
Hier findest du die wichtigsten französischen Feiertage, ihre festen und beweglichen Termine sowie die Regeln, die im Arbeitsalltag tatsächlich relevant sind.
Was bedeutet „jour férié“?
Ein jour férié ist ein gesetzlich anerkannter Feiertag. Das französische Arbeitsrecht sieht landesweit elf gesetzliche Feiertage vor. An diesen Tagen gelten besondere Regelungen für Arbeit, Lohn und Öffnungszeiten.
Wichtig ist jedoch ein Unterschied, der schnell übersehen wird: Ein gesetzlicher Feiertag bedeutet in Frankreich nicht automatisch, dass alle Beschäftigten frei haben.
Nur der 1. Mai, der Fête du Travail, ist grundsätzlich ein arbeitsfreier und bezahlter Feiertag. Für die anderen zehn Feiertage kann im jeweiligen Unternehmen gearbeitet werden. Ob frei ist, hängt meist vom Tarifvertrag, vom Arbeitsvertrag oder von einer betrieblichen Regelung ab.
Das wirkt aus deutscher Perspektive zunächst ungewohnt. In Deutschland sind gesetzliche Feiertage normalerweise grundsätzlich arbeitsfrei. In Frankreich ist die praktische Frage deshalb nicht nur: „Ist heute Feiertag?“ Sondern auch: „Welche Regel gilt in diesem Unternehmen?“
Die elf gesetzlichen Feiertage in Frankreich
Die folgenden Feiertage gelten grundsätzlich im gesamten französischen Mutterland. Einige Feiertage haben ein festes Datum, andere richten sich nach Ostern und verschieben sich jedes Jahr.
- 1. Januar – Jour de l’An: Neujahr
- Ostermontag – Lundi de Pâques: beweglicher Feiertag
- 1. Mai – Fête du Travail: Tag der Arbeit
- 8. Mai – Victoire de 1945: Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa
- Christi Himmelfahrt – Ascension: beweglicher Feiertag, immer an einem Donnerstag
- Pfingstmontag – Lundi de Pentecôte: beweglicher Feiertag
- 14. Juli – Fête nationale: französischer Nationalfeiertag
- 15. August – Assomption: Mariä Himmelfahrt
- 1. November – Toussaint: Allerheiligen
- 11. November – Armistice de 1918: Waffenstillstand von 1918
- 25. Dezember – Noël: Weihnachten
Der 26. Dezember ist im französischen Mutterland normalerweise kein landesweiter Feiertag. In bestimmten Regionen gilt allerdings eine Sonderregelung. Dazu später mehr.
Feste Termine und bewegliche Feiertage
Die festen Feiertage sind leicht zu planen. Der 1. Mai bleibt der 1. Mai, der Nationalfeiertag bleibt der 14. Juli. Bei den beweglichen Feiertagen lohnt sich dagegen ein Blick in den Kalender.
Die wichtigsten beweglichen Feiertage hängen vom Osterdatum ab:
- Ostermontag: ein Tag nach Ostersonntag
- Christi Himmelfahrt: 39 Tage nach Ostersonntag
- Pfingstmontag: 50 Tage nach Ostersonntag
Für die Urlaubsplanung ist besonders Christi Himmelfahrt interessant. Da der Feiertag immer auf einen Donnerstag fällt, nehmen viele Beschäftigte den Freitag frei. In Frankreich spricht man dann häufig von einem pont, also einer „Brücke“ zwischen Feiertag und Wochenende.
Ein typisches Beispiel: Fällt Christi Himmelfahrt auf einen Donnerstag, kann ein einziger Urlaubstag am Freitag ein langes viertägiges Wochenende ermöglichen. Das ist praktisch – aber in vielen Unternehmen auch sehr beliebt. Wer den Brückentag nutzen möchte, sollte ihn nicht erst zwei Tage vorher beantragen.
Die französischen Feiertage im Überblick
Zur Orientierung findest du hier die Termine für die Jahre 2025 und 2026:
- 2025: 1. Januar, 21. April, 1. Mai, 8. Mai, 29. Mai, 9. Juni, 14. Juli, 15. August, 1. November, 11. November und 25. Dezember
- 2026: 1. Januar, 6. April, 1. Mai, 8. Mai, 14. Mai, 25. Mai, 14. Juli, 15. August, 1. November, 11. November und 25. Dezember
Ein kleiner Planungs-Hinweis: Einige Feiertage fallen auf ein Wochenende. Das bedeutet nicht automatisch, dass du dafür einen zusätzlichen freien Tag erhältst. Ob es einen Ersatzruhetag gibt, hängt von den geltenden Regelungen ab.
Der 1. Mai: der besondere Feiertag
Der 1. Mai nimmt in Frankreich eine Sonderstellung ein. Er ist nicht nur der Tag der Arbeit, sondern grundsätzlich auch ein arbeitsfreier und bezahlter Feiertag.
Wer dennoch arbeitet, erhält in der Regel eine besondere Vergütung. Das betrifft vor allem Bereiche, die nicht einfach schließen können: Krankenhäuser, Hotels, Gastronomie, Verkehr oder bestimmte öffentliche Dienstleistungen.
Für viele Menschen gehört der 1. Mai außerdem zu den Tagen, an denen Maiglöckchen verkauft werden. Diese Tradition heißt muguet. Auf Straßen und Plätzen bieten Privatpersonen kleine Sträuße an. Der Brauch gilt als Glückssymbol und gehört genauso zum französischen 1. Mai wie Demonstrationen der Gewerkschaften.
Praktisch bedeutet der Tag: Supermärkte, Geschäfte und Restaurants können eingeschränkte Öffnungszeiten haben. Wenn du an diesem Tag unterwegs bist, solltest du nicht davon ausgehen, dass spontan alles verfügbar ist. Ein kurzer Check am Vorabend spart manchmal eine erstaunlich lange Suche nach einem geöffneten Bäcker.
Pfingstmontag und der „Tag der Solidarität“
Der Pfingstmontag ist ein gesetzlicher Feiertag, aber nicht immer ein freier Tag. Der Grund ist die sogenannte journée de solidarité, der Tag der Solidarität.
Diese Regelung wurde nach der Hitzewelle von 2003 eingeführt. Die zusätzlichen Einnahmen sollen die Unterstützung älterer und pflegebedürftiger Menschen finanzieren. In vielen Unternehmen wird dafür am Pfingstmontag gearbeitet, ohne dass ein zusätzlicher Urlaubstag anfällt.
Das kann allerdings auch anders organisiert werden. Unternehmen können beispielsweise:
- am Pfingstmontag arbeiten lassen,
- einen anderen Feiertag als Solidaritätstag festlegen,
- einige zusätzliche Arbeitsstunden über das Jahr verteilen,
- einen Urlaubstag oder einen Tag aus einem Arbeitszeitkonto verwenden.
Deshalb solltest du im französischen Arbeitskontext nicht automatisch von „Pfingstmontag frei“ ausgehen. Die interne Regelung des Unternehmens ist entscheidend.
Regionale Besonderheiten: Elsass und Moselle
In den Departements Bas-Rhin, Haut-Rhin und Moselle gelten zusätzliche Feiertage. Diese Regionen werden häufig als Elsass-Moselle bezeichnet. Aufgrund ihrer besonderen historischen und rechtlichen Entwicklung gelten dort andere arbeitsrechtliche Regeln.
Zusätzlich zu den landesweiten Feiertagen sind dort in vielen Fällen folgende Tage arbeitsfrei:
- Karfreitag – Vendredi saint: in Gemeinden mit einem evangelischen oder gemischt konfessionellen Gotteshaus
- 26. Dezember – Deuxième jour de Noël: zweiter Weihnachtstag
Das ist für Geschäftsreisen besonders relevant. Ein Unternehmen in Paris kann am 26. Dezember normal arbeiten, während ein Betrieb in Straßburg geschlossen bleibt. Wer mehrere französische Standorte koordiniert, sollte daher nicht mit einer einzigen Feiertagsliste für das ganze Land arbeiten.
Was ist an französischen Feiertagen geöffnet?
Feiertage verändern den Alltag, aber sie legen nicht automatisch das gesamte Land lahm. Öffnungszeiten hängen von der Branche, der Region und dem konkreten Unternehmen ab.
Häufig gilt:
- Behörden und Schulen: in der Regel geschlossen
- Banken und Poststellen: meist geschlossen oder mit eingeschränktem Service
- Supermärkte: teilweise geöffnet, oft nur am Vormittag
- Restaurants und Hotels: häufig geöffnet, besonders in touristischen Regionen
- Öffentlicher Verkehr: fährt meist nach einem Feiertags- oder Sonntagsfahrplan
- Geschäfte: je nach Ort und Feiertag unterschiedlich
Der 14. Juli ist ein gutes Beispiel. Als Nationalfeiertag finden vielerorts Paraden, Konzerte und Feuerwerke statt. Gleichzeitig können kleinere Geschäfte geschlossen bleiben. In touristischen Städten ist dagegen vieles geöffnet – manchmal mit veränderten Zeiten und erhöhtem Besucherandrang.
Für einen Termin mit einer französischen Behörde gilt deshalb eine einfache Regel: Nicht nur den Kalender prüfen, sondern auch die Website der jeweiligen Einrichtung. „Laut Kalender müsste es offen sein“ ist leider kein besonders zuverlässiger Organisationsplan.
Feiertage und Arbeitsrecht: Was Beschäftigte wissen sollten
Ob ein Feiertag arbeitsfrei ist, wird in Frankreich häufig durch den Tarifvertrag oder die Unternehmensvereinbarung geregelt. Auch die Branche spielt eine Rolle. In der Gastronomie gelten andere praktische Bedingungen als in einem Büro.
Der 1. Mai ist dabei besonders geschützt. Für die übrigen Feiertage kann der Arbeitgeber grundsätzlich Arbeit anordnen, sofern die entsprechenden Regelungen eingehalten werden.
Auch die Frage der Bezahlung ist nicht für jeden Feiertag identisch. Ein Feiertag kann arbeitsfrei und bezahlt sein, arbeitsfrei und unbezahlt oder ein normaler Arbeitstag mit Sonderregeln. Entscheidend sind unter anderem:
- die Dauer der Betriebszugehörigkeit,
- der geltende Tarifvertrag,
- die Betriebsvereinbarung,
- der Arbeitsvertrag,
- die Regelungen zu Arbeitszeit und Urlaub.
Wenn du in Frankreich arbeitest oder mit einem französischen Arbeitgeber verhandelst, lohnt sich deshalb ein Blick in die convention collective. Sie enthält oft die konkreten Regeln für deine Branche. Bei internationalen Teams sollte außerdem klar sein, nach welchem Standort die Feiertage geplant werden.
Feiertage im internationalen Arbeitsalltag
Gerade in deutsch-französischen Teams entstehen rund um Feiertage regelmäßig Missverständnisse. Ein deutscher Kollege plant einen Workshop am 14. Juli, während das französische Team an diesem Tag nicht erreichbar ist. Oder ein französischer Ansprechpartner rechnet am 1. November mit einer Antwort, obwohl das deutsche Büro geschlossen bleibt.
Eine einfache Feiertagsroutine hilft:
- Erstelle zu Jahresbeginn eine gemeinsame Liste aller relevanten Feiertage.
- Markiere regionale Unterschiede, etwa zwischen Paris und Straßburg.
- Trage Brückentage und geplante Betriebsferien ein.
- Vermeide wichtige Deadlines direkt vor oder nach langen Wochenenden.
- Kommuniziere Abwesenheiten frühzeitig in Kalendern und E-Mail-Signaturen.
Besonders hilfreich ist eine Formulierung wie: „Unser Büro ist am 14. Juli geschlossen. Wir antworten ab dem 15. Juli.“ So weiß die andere Seite, ob es sich um eine individuelle Abwesenheit oder um einen landesweiten Feiertag handelt.
Eine praktische Checkliste für deine Planung
Du möchtest eine Reise, einen Workshop oder ein Projekt in Frankreich planen? Dann prüfe diese Punkte:
- Fällt der Termin auf einen landesweiten Feiertag?
- Gilt am Zielort eine regionale Sonderregelung?
- Handelt es sich um einen Montag oder Donnerstag mit Brückentag-Potenzial?
- Sind Behörden, Banken oder Geschäfte an diesem Tag geöffnet?
- Fährt der öffentliche Verkehr nach einem Sonderfahrplan?
- Gibt es im Unternehmen eine spezielle Regelung für den Pfingstmontag?
- Haben Hotels, Restaurants und Veranstaltungsorte ihre Öffnungszeiten angepasst?
Wenn du diese sieben Fragen beantwortest, sind die meisten typischen Feiertagsfallen bereits entschärft.
Der Feiertag als Teil der französischen Arbeitskultur
Französische Feiertage sind mehr als freie Tage im Kalender. Sie verbinden religiöse Traditionen, historische Ereignisse, politische Erinnerung und regionale Kultur.
Der 8. Mai und der 11. November erinnern an wichtige Wendepunkte der französischen Geschichte. Der 14. Juli steht für die nationale Identität und wird mit öffentlichen Feiern begangen. Allerheiligen Anfang November ist für viele Familien ein Anlass, Friedhöfe zu besuchen und Angehöriger zu gedenken.
Auch im Berufsleben zeigen Feiertage, dass Zeit nicht überall gleich organisiert wird. Wer mit französischen Kolleginnen und Kollegen arbeitet, muss nicht jedes Detail des französischen Arbeitsrechts kennen. Aber ein Bewusstsein für diese Unterschiede macht die Zusammenarbeit deutlich leichter.
Der beste Umgang ist pragmatisch: Termine früh prüfen, regionale Regeln berücksichtigen und im Zweifel direkt nachfragen. Denn selbst der schönste Feiertag wird unnötig kompliziert, wenn drei Personen am selben Tag aufeinander warten – und alle davon ausgehen, dass die anderen arbeiten.
