Lena Deutsch

Job crafting: wie du deine aktuelle stelle an dich anpassen kannst und mehr sinn im job findest

Job crafting: wie du deine aktuelle stelle an dich anpassen kannst und mehr sinn im job findest

Job crafting: wie du deine aktuelle stelle an dich anpassen kannst und mehr sinn im job findest

Da sitzt du also in einem Job, der auf dem Papier passt – und trotzdem fühlst du dich oft fehl am Platz. Die Aufgaben sind okay, das Team ist okay, das Gehalt ist okay. Eben: okay. Aber nicht lebendig, nicht sinnhaft, nicht nach dir.

Die gute Nachricht: Du musst nicht sofort kündigen, um etwas zu verändern. Du kannst anfangen, deinen Job so umzubauen, dass er besser zu dir passt. Das ist Job Crafting.

Was ist Job Crafting – und was nicht?

Job Crafting bedeutet: Du gestaltest deine aktuelle Stelle aktiv um, statt nur die Stellenbeschreibung abzuarbeiten. Du verschiebst Schwerpunkte, änderst Abläufe, baust neue Elemente ein oder lässt andere bewusst kleiner werden – im Rahmen deiner Rolle.

Wichtig:

Job Crafting ist ein aktiver Design-Prozess: Du schaust dir an, was du tust, wie du es tust und warum du es tust – und drehst dann an den Stellschrauben, die du tatsächlich beeinflussen kannst.

Die drei Hebel von Job Crafting

In der Forschung (z.B. Wrzesniewski & Dutton) werden drei Arten von Job Crafting unterschieden. Die sind für die Praxis erstaunlich hilfreich, weil sie Ordnung ins Chaos bringen.

Du kannst deinen Job anpassen über:

Du musst nicht alle drei gleichzeitig angehen. Oft reicht ein kleiner Hebel, um spürbar mehr Sinn und Energie im Alltag zu erleben.

Task Crafting: Deine Aufgaben so anpassen, dass sie besser zu dir passen

Task Crafting heißt: Du veränderst Art, Umfang oder Reihenfolge deiner Aufgaben. Nicht, indem du Dutzende To-dos streichst, sondern indem du gezielt verschiebst, tauschst, kombinierst.

Typische Fragen, die ich im Coaching stelle:

Ein Beispiel aus einem Coaching: Anna, Marketing Managerin, liebt Analysen und Strategie – hasst aber Ad-hoc-Anfragen und Dauer-Feuerwehraktionen. Nach einem Blick auf ihre Woche wurde klar: Sie steckte 70 % ihrer Zeit in genau diese Ad-hoc-Themen.

Ihr Task Crafting sah so aus:

Sie hat weder die Rolle gewechselt noch die Jobbeschreibung umgeschrieben – aber den „gefühlten Job“ massiv verändert.

Dein Mini-Check:

Du suchst nicht die perfekte Welt. Du suchst den ersten, realistischen Schieberegler.

Relational Crafting: Mit wem du wie zusammenarbeitest

Oft ist es nicht die Aufgabe selbst, die uns frustriert, sondern das Wie mit anderen: endlose Abstimmungsrunden, unklare Erwartungen, Energie-Vampire im Kalender.

Relational Crafting heißt: Du gestaltest aktiv deine Arbeitsbeziehungen.

Konkrete Ansatzpunkte:

Ein Klient von mir, Teamleiter IT, hat jede Woche mehrere „Schnell mal kurz“-Meetings gehabt, die ihn zerrissen haben. Sein Relational Crafting:

Plötzlich war er nicht mehr nur „Feuerwehr“, sondern gestaltete aktiv, wie Zusammenarbeit mit ihm aussieht.

Dein Mini-Check:

Cognitive Crafting: Wie du Sinn und Bedeutung in deinem Job siehst

Cognitive Crafting ist die mentale Perspektivverschiebung: Du änderst nicht (nur), was du tust, sondern wie du es verstehst.

Zwei Menschen in der gleichen Rolle können sich völlig unterschiedlich fühlen. Die Frage ist: Welche Geschichte erzählst du dir über deinen Job?

Beispiele:

Das ist kein schönreden. Es geht darum, den realen Impact der eigenen Arbeit sichtbar zu machen – der im Alltag oft untergeht.

Eine Klientin im HR-Bereich war frustriert, „nur noch Admin“ zu sein. In der gemeinsamen Arbeit haben wir herausgearbeitet, wie stark ihre Prozesse den Einstieg neuer Kolleg:innen erleichtern, Fluktuation senken und Führungskräfte entlasten. Sie hat begonnen, ihre Rolle intern anders zu beschreiben – und wurde entsprechend auch anders einbezogen.

Reflexionsfragen für dich:

Schreib deine Antworten auf. Formuliere dann einen Satz: „Mit meiner Arbeit sorge ich dafür, dass …“ – und fülle ihn mit deinem Inhalt.

Warum sich Job Crafting auch für dein Unternehmen lohnt

Vielleicht denkst du: „Klingt nett, aber mein Unternehmen will Ergebnisse, keine Sinnsuche.“ Die Ironie: Genau deswegen ist Job Crafting interessant – für beide Seiten.

Studien zeigen:

Du tust mit Job Crafting also nicht nur dir etwas Gutes, sondern auch deinem Arbeitgeber. Das ist ein wichtiges Argument, wenn du später mit deiner Führungskraft darüber sprichst.

Schritt 1: Bestandsaufnahme statt Aktionismus

Bevor du anfängst, wild Dinge zu verändern, lohnt sich ein klarer Blick auf den Status quo. Sonst optimierst du am falschen Ende.

Nimm dir 30 Minuten und beantworte schriftlich:

Markiere anschließend:

Diese Klarheit ist deine Grundlage für alles Weitere.

Schritt 2: Kleine Experimente statt radikaler Umsturz

Job Crafting funktioniert am besten in kleinen, konkreten Experimenten. Denk in 2–4-Wochen-Sprints statt in „Ab morgen ist alles anders“.

Typische Mikro-Experimente:

Nach dem Experiment stellst du dir drei Fragen:

So baust du dir Stück für Stück einen Job, der sich mehr nach dir anfühlt – ohne dass du auf die große Strukturreform von oben warten musst.

Wie du Job Crafting mit deiner Führungskraft besprichst

Ja, vieles kannst du einfach innerhalb deiner Rolle verändern. Aber spätestens, wenn du Aufgaben offiziell umverteilen oder Schwerpunkte verschieben willst, kommst du an deine Führungskraft nicht vorbei.

Der Fehler, den ich häufig sehe: Mitarbeitende gehen mit einem diffusen „Ich bin unzufrieden“-Gefühl ins Gespräch. Das ist ehrlich, aber meist wenig wirksam.

Besser ist: Du gehst mit einem konkreten Vorschlag hinein.

Zum Beispiel so:

Du präsentierst keinen Wunschzettel, sondern einen Business Case. Das ändert die Dynamik im Gespräch enorm.

Aus meiner eigenen Zeit im Management kann ich sagen: Führungskräfte sind viel eher offen, wenn klar ist, was konkret anders laufen soll und welchen Nutzen das für die Ergebnisse hat.

Typische Stolpersteine – und wie du sie umgehst

Job Crafting klingt elegant, aber in der Praxis tauchen immer wieder die gleichen Hürden auf.

1. „Ich habe gar keinen Spielraum.“

Hast du vielleicht mehr, als du denkst. Frag dich:

Beginne dort. Spielerischer Erfolg im Kleinen schafft Argumente für größere Veränderungen.

2. „Wenn ich mehr von X mache, bleibt Y liegen.“

Ja. Deswegen ist Job Crafting auch Priorisierung.

Du musst nicht alles allein tragen, nur weil du es „schon immer“ gemacht hast.

3. „Ich traue mich nicht, das anzusprechen.“

Verständlich. Dann geh in zwei Schritten vor:

Daten sind oft überzeugender als bloße Wünsche.

Job Crafting bei innerer Kündigung – geht das überhaupt?

Viele kommen erst auf das Thema Job Crafting, wenn sie innerlich schon halb durch die Tür sind. „Ehrlich gesagt will ich hier gar nicht mehr viel gestalten.“

Auch dann kann Job Crafting sinnvoll sein:

Du musst nicht plötzlich zum Super-Fan deines Unternehmens werden. Es reicht, wenn du dir selbst weniger im Weg stehst.

Ein strukturierter Einstieg: Dein 7-Tage-Job-Crafting-Experiment

Wenn du direkt loslegen willst, nutze diese einfache Struktur für die nächste Woche:

Tag 1 – Beobachten

Tag 2 – Sortieren

Tag 3 – Wählen

Tag 4 bis 6 – Experimentieren

Tag 7 – Auswerten

Danach kannst du den nächsten Hebel wählen – oder ein Gespräch mit deiner Führungskraft vorbereiten.

Warum sich das Dranbleiben lohnt

Du wirst durch Job Crafting nicht über Nacht im Traumjob landen. Aber du verschiebst die Wahrscheinlichkeit: weniger „Ich funktioniere nur“, mehr „Ich gestalte mit“.

Am Ende geht es um eine Haltung: Du bist nicht nur Empfänger:in von Aufgaben, Strukturen und Entscheidungen. Du hast – auch in einem ganz normalen Angestelltenjob – mehr Gestaltungsmacht, als es sich im Alltag manchmal anfühlt.

Und genau da setzt Job Crafting an: bei der Frage, wie du diese Macht im Kleinen nutzt, um deinen Job Schritt für Schritt mehr zu deinem Job zu machen.

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